Bankinter: digitaler wandel – pragmatismus statt euro-digital-träumereien
Gloria Ortiz, die Vorstandsvorsitzende von Bankinter, hat bei der Präsentation der ersten Quartalsergebnisse 2026 die Zukunft der digitalen Zahlungen in Europa in den Fokus gerückt. Während sie den immensen Erfolg von Systemen wie Bizum unmissverständlich bekräftigt hat, mahnt sie eindringlich an die Notwendigkeit, das europäische digitale Zentralbankgeld (CBDC) voranzutreiben – vor allem im Großhandelssegment.
Bizum als erfolgsmodell – interoperabilität vor euro-digital
Ortiz betonte schlicht und ergreifend: „Bizum funktioniert einwandfrei.“ Die Beobachtungen der Geschäftsleitung deuten deutlich auf eine zunehmende Transparenz der grenzüberschreitenden Zahlungen hin. „Wir sehen zunehmend Interkonnektivität von Echtzeitüberweisungen in ganz Europa“, erklärte sie. „Ich gehe davon aus, dass die Interoperabilität schneller Realität wird als das eigene digitale Zentralbankgeld.“
Bankinter verfolgt einen pragmatischen Ansatz bei der Entwicklung des CBDC. Statt auf bestehende private Infrastrukturen aufzubauen, plädiert Ortiz für eine Integration in das bestehende System. „Es wäre deutlich schneller und kostengünstiger, das CBDC auf der bestehenden privaten Infrastruktur aufzubauen – wir müssen lediglich die Verbindungen zwischen den verschiedenen Knotenpunkten in den verschiedenen Ländern herstellen und Standards festlegen.“ Diese Herangehensweise spiegelt eine klare Priorisierung der Effizienz wider. „Die private Initiative im Zahlungsverkehr… wäre sinnvoller, die bestehenden privaten Infrastrukturen zu nutzen, da diese kostengünstiger und schneller implementiert werden können.“

Globale wettbewerbslandschaft – warnung vor strategischen fehlern
Angesichts der wachsenden Bedeutung von Stablecoins und der Dominanz amerikanischer Anbieter wie Mastercard und Visa mahnt Ortiz zu Wachsamkeit. „Wir müssen uns frühzeitig den privaten Lösungen mit europäischen Stablecoins stellen“, argumentiert sie. Ein historischer Fehler der europäischen Banken, Visa an den europäischen Markt zu verkaufen, dürfe nicht wiederholt werden. „Europa existierte und war Eigentum der Banken. Wir haben es verkauft – und das ist ein Thema langfristiger strategischer Bedeutung. Wir dürfen nicht erst in 15 Jahren aufwachen.“
Die Abhängigkeit von amerikanischen Technologieunternehmen im Zahlungsverkehr stellt eine erhebliche Schwachstelle dar. Der Markt ist weiterhin von Mastercard, Visa, Android und Apple dominiert. Bankinter fordert daher ein pragmatisches Vorgehen, die Nutzung bestehender privater Infrastrukturen und eine beschleunigte Entwicklung des europäischen digitalen Zentralbankgeldes im Großhandel, um strategische Fehler der Vergangenheit zu vermeiden.

Erfolge im digitalen wandel – effizienzsteigerung und neue perspektiven
Bankinter verzeichnete im ersten Quartal 2026 einen Nettogewinn von 290,66 Millionen Euro, ein Anstieg von 7,61 % gegenüber dem Vorjahr. Der Zinsertrag wuchs um 5,5 % auf 570,6 Millionen Euro, während die Netto-Gebühren um 8,06 % auf 203,23 Millionen Euro stiegen. Der Rohertrag betrug 779 Millionen Euro, ein Anstieg von 6,5 %, und der operative Gewinn 502,9 Millionen Euro, ein Wachstum von 8,7 %. Die Betriebskosten erhöhten sich moderat um 3 % auf 276 Millionen Euro, was die Effizienzquote um 132 Basispunkte auf 35,4 % senkte. Die Ausfallquote sank um 23 Basispunkte auf 1,92 %, mit einer Deckung von 69,5 %. Das Return on Equity (RoTE) betrug 20 % und die CET1-Quote erreichte 12,96 %, weit über der geforderten Mindestquote von 8,47 %. Das globale Geschäftsvolumen stieg um 10,3 % auf 136.678 Millionen Euro, getrieben von 81.078 Millionen Euro an Kreditvergaben und 96.451 Millionen Euro an Einlagen. Die verwalteten Ressourcen außerhalb des Bilanzs erhöhten sich um 17 % auf 69.123 Millionen Euro.
Bankinter profitiert weiterhin von der Digitalisierung und künstlichen Intelligenz. Die Effizienzquote beschleunigt sich auf historische Tiefstände. Ein weiterer Fehler der europäischen Politik war der Verkauf von Visa an die USA. Es ist wichtig, dass Europa einen pragmatischen Weg geht und seine bestehenden privaten Infrastrukturen nutzt und gleichzeitig das europäische digitale Zentralbankgeld im Großhandel vorantreibt. Die Initiative des Privatsektors im Zahlungsverkehr wäre sinnvoller, da diese kostengünstiger und schneller implementiert werden kann. Die Bank konzentriert sich weiterhin auf Spanien, wo der Gewinn vor Steuern 342 Millionen Euro betrug und in Portugal 56 Millionen Euro, während in Irland ein Wachstum von 12 % auf 12 Millionen Euro erzielt wurde.