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Europas stromnetz am limit: schwarzer tag für spanien und portugal

Ein Schock für das europäische Stromnetz: Der bislang schwerste Stromausfall der letzten zwei Jahrzehnte hat am 28. April 2025 Spanien und Portugal lahmgelegt. Ein neuer Untersuchungsbericht des europäischen Netzbetreiberverbands ENTSO-E zeichnet ein düsteres Bild, das weit über einen einfachen technischen Defekt hinausgeht – ein komplexes Zusammenspiel von Faktoren führte zur Katastrophe.

Die ursachenkette: mehr als nur ein fehler

Der Bericht, der fast ein Jahr nach dem Ereignis veröffentlicht wurde, stuft den Ausfall als „Ereignis der maximalen Schwere“ (Stufe 3) ein und weist auf eine verheerende gesellschaftliche Auswirkung hin. Es handelte sich nicht um einen isolierten Vorfall, sondern um das Ergebnis einer Kaskade von Problemen, die sich rasend schnell über das gesamte Netz ausbreiteten. Was ENTSO-E aufdeckt, ist eine beunruhigende Erkenntnis: Die europäischen Stromnetze sind anfälliger als bisher angenommen.

Im Zentrum des Problems stand ein „rascher und unkontrollierter Anstieg der Spannung“ und der Verlust der Spannungskontrolle, der sich um 12:32 Uhr manifestierte. Die üblichen Regelmechanismen versagten, und anstatt sich zu stabilisieren, verstärkte sich die Spannung mit jeder Störung. Bereits eine halbe Stunde zuvor deuteten die Systeme auf eine Instabilität hin: Zwei periodische Schwingungen in Spannung, Strom und Frequenz wurden festgestellt – das System „vibrierte“, bevor es zusammenbrach.

Die erste Schwingung, mit einer Frequenz von 0,63 Hz, wurde durch eine instabile Leistungseinspeisung einer erneuerbaren Energieanlage (wahrscheinlich Solar- oder Windkraft) ausgelöst. Diese Reaktion breitete sich auf benachbarte Anlagen aus und erzeugte einen Ketteneffekt. Eine zweite, langsamere Schwingung (0,2 Hz) betraf das gesamte europäische Stromnetz und führte zu einer Entkopplung zwischen der Iberischen Halbinsel und dem Rest Europas. Obwohl die Betreiber versuchten, die Schwingungen zu dämpfen, führte dies zu einem Anstieg der Spannung im iberischen Raum, der die Verwundbarkeit weiter erhöhte.

Der finale Auslöser war die Kaskadenschaltung von Erzeugungsanlagen erneuerbarer Energien. Innerhalb von Sekunden fielen über 2,5 Gigawatt an Leistung aus, verstärkt durch das Verhalten der Anlagen, die zuvor Leistungskraft absorbiert hatten. Dieser Teufelskreis aus steigender Spannung und weiteren Abschaltungen, so der Bericht, wurde noch durch gravierende Mängel in der technischen Konfiguration des Systems verschärft. Ein besonders scharfer Kritikpunkt richtet sich an Regierung und Red Eléctrica: Die Schutzvorrichtungen vieler Anlagen wichen von den geltenden Anforderungen ab und verzögerten die Reaktion des Systems.

Der faktor mensch und die grenzen der planung

Der faktor mensch und die grenzen der planung

Zusätzlich zu den technischen Problemen spielte auch der Faktor Mensch eine Rolle. Die Spannungskontrolle war teilweise auf manuelle Eingriffe angewiesen, was in der entscheidenden Phase von 38 Sekunden kostbare Zeit verschlang. Auch die Planungsinstrumente versagten: Die „Koordinierte Kapazitätsberechnung (CCC D-1)“, ein neues Werkzeug, das nur zwei Monate zuvor implementiert worden war, war nicht für solche Ereignisse ausgelegt und hätte den Ausfall weder vorhersehen noch verhindern können. Das System agierte also in einem dynamischen Szenario, das über die Möglichkeiten statischer Modelle hinausging.

Ein weiteres, oft übersehenes Problem: Die Kommunikation zwischen den beteiligten Akteuren wurde durch einen Ausfall des öffentlichen Telekommunikationsnetzes behindert, was die Wiederherstellung des Stromnetzes erheblich verzögerte.

Die forderung nach veränderung

Die forderung nach veränderung

ENTS-E formuliert klare Empfehlungen: Eine grundlegende Transformation der Regulierung ist erforderlich, um „Blackout-resistente“ Systeme mit mindestens 24 Stunden Autonomie zu schaffen. Erneuerbare Energieanlagen müssen so weiterentwickelt werden, dass sie eine kontinuierliche Spannungsstützung leisten und wie „STATCOMs“ fungieren – das heißt, als Spannungsstabilisatoren. Die Warnung ist eindeutig: Die regulatorischen Rahmenbedingungen und Energiepolitiken müssen sich an die physikalischen Grenzen des Systems anpassen – andernfalls drohen solche Katastrophen erneut.

Der 28. April 2025 ist ein mahnendes Beispiel dafür, wie lokale Ereignisse weitreichende Konsequenzen haben können. Es ist ein Weckruf für Europa, die Resilienz seiner Stromnetze zu stärken – bevor es zu spät ist.