Südkorea setzt auf chip- und ki-boom – wirtschaft und politik unter druck
Seoul investiert 576 Milliarden Dollar in eine Offensive, die das Land zum globalen Technologiemacht machen soll. Doch hinter der triumphalen Chorschall von Präsident Lee Jae Myung lauern Risiken.

K-pop, ki und die neue machtkur gegen die wirtschaftslage
Südkorea hat sich in wenigen Jahrzehnten von einer aufstrebenden Volkswirtschaft zu einer globalen kulturellen Supermacht entwickelt – dank K-Pop, einer boomenden Film- und Serienindustrie und der Innovationskraft seiner Großkonzerne. Ein strategischer Schachzug, der das Land neu positioniert hat. Doch nun geht es um mehr als nur Image: Die Regierung setzt alles auf die Karte Halbleiter und Künstliche Intelligenz.
Die Samsung und SK Hynix, die derzeit fast 80 Prozent des weltweiten Marktes für Hochleistungs-Speicherchips kontrollieren, werden als «nationale Helden» gefeiert. Mit einem Investitionsvolumen von rund 800 Milliarden Won – das entspricht 518 Milliarden Dollar – planen sie den Ausbau der Produktionskapazitäten um das Doppelte in den nächsten fünf Jahren. Ein ambitioniertes Unterfangen, das das Land als eine der führenden Nationen im Bereich der KI etablieren soll.
Doch die Euphorie ist nicht ungetrübt. Die Zustimmungswerte von Präsident Lee sind auf ein Minimum gefallen, getrieben von wirtschaftlicher Unsicherheit, der schwachen Won und einer angespannten Wohnungsmarktpolitik. Ein Großteil der Investitionen soll deshalb nicht in Seoul, sondern in weniger wohlhabende Regionen fließen – eine strategische Kehrtwende, die auf Kritik stoßen dürfte.
Bloomberg berichtet, dass Südkorea bereits jetzt von dem Aufschwung der KI profitiert. Gleichzeitig wächst die Sorge, dass die Vorteile nicht gleichmäßig verteilt werden. Die Investitionen könnten die regionale Ungleichheit verschärfen, was sich bereits an der jüngsten Kursverluste von Apple an den Börsen im Westen Koreas zeigt.
«Wir müssen schneller sein als unsere Wettbewerber, um die Führung in Chips, KI-Rechenzentren und fortschrittlicher KI zu sichern», erklärte Präsident Lee Jae Myung in einer Pressekonferenz. Die «Drei Mega-Projekte für einen grossen Fortschritt», wie die Regierung die Initiative nennt, sollen nicht nur die technologische Stärke des Landes stärken, sondern auch die nationale Sicherheit gewährleisten. Ein Wettlauf um die Vorherrschaft, der das Land bis aufs Marktwert zu verschwenden droht. Die Zahlen sprechen für sich: Die Investitionen machen rund 5 Prozent des koreanischen Bruttoinlandsprodukts aus – ein enormer Druck, der die Wirtschaft zusätzlich belastet. Die Lage ist ernst. Die Samsung und SK Group haben ihre Pläne zur Errichtung neuer Chip-Fabriken bekannt gegeben – ein eindrücklicher Beweis für die Dringlichkeit der Situation.
