Die 4-prozent-regel: eine orientierung für die finanzielle unabhängigkeit
Die Sehnsucht nach finanzieller Unabhängigkeit ist ein universelles Bedürfnis: Arbeiten müssen wir nicht, keine Sorgen um das Geld, sondern genug haben, um frei zu leben. In diesem Sinne hat sich eine Formel im Trend gebracht, die von Experten in der Finanzplanung und Anhängern des Finanz-Freedom-Movements verwendet wird, um den erforderlichen Vermögenswert für eine lebenslange Rentenleistung ohne Erwerbstätigkeit zu schätzen. Es handelt sich um die sogenannte 4-Prozent-Regel.
Die 4-prozent-regel: ursprung und hintergründe
Die 4-Prozent-Regel stammt aus wissenschaftlichen Studien, die in den USA durchgeführt wurden, um festzustellen, wie viel ein Rentner pro Jahr aus seiner Anlageportfolio ausgeben konnte, ohne dass das Kapital in den nächsten Jahrzehnten erschöpft würde. Die Erkenntnis war, dass ein Ausgabenanteil von 4 Prozent des Vermögens in den ersten Jahren nach dem Renteneintritt und anpassen an die Inflation eine hohe Wahrscheinlichkeit für die langfristige Kapitalerhaltung barg.
Die Idee hat sich inzwischen zu einem wichtigen Element des Finanz-Freedom-Movements entwickelt, bei dem die Zielsetzung ist, ein so hohes Vermögen zu bilden, dass man es lebenslang aus Renten- und Kapitalerträgen bestreiten kann, also erstmals in den 50er Jahren.

Wie berechnet man das erforderliche vermögen?
Die Berechnung ist simpel: Man muss feststellen, wie viel man jährlich benötigt, um sein gewünschtes Lebensstandard zu erhalten. Dann wird das geforderte Jahrliches ausgabenwürdige Vermögen errechnet, indem man die jährlichen Ausgaben durch 4 teilt und das Ergebnis mit 25 multipliziert. Das ergibt den erforderlichen Vermögenswert.
Beispiel: Wenn monatlich 2.000 Euro benötigt werden, entspricht das jährlich etwa 24.000 Euro. Dann würde das erforderliche Vermögen etwa 750.000 Euro betragen (24.000 / 0,04 = 600.000; 600.000 * 25 = 15.000.000; 15.000.000 - 600.000 = 750.000).
Es ist jedoch zu beachten, dass die 4-Prozent-Regel nur eine Orientierung darstellt und keine Garantie für eine lebenslange finanzielle Unabhängigkeit bietet. Die Vorhersagen der Studien gingen von sehr speziellen Markt- und Konjunkturbedingungen aus, die sich inzwischen geändert haben. Heute sind die Menschen länger lebendig, die Inflation ist höher, und die Erträge fallen geringer aus.
Angesichts dieser Komplexität empfehlen Experten, die 4-Prozent-Regel nicht als festes Ziel zu betrachten, sondern als eine Orientierung, die individuell angepasst werden muss. Es ist ratsam, sich an die eigenen Bedürfnisse, die erwarteten Lebenserwartung und die erwarteten Renditen anzupassen, um einen persönlichen Finanzplan zu erstellen.
